1. Olympische
Jugend-Winterspiele 13.-22. Jänner

Besondere außersportliche Momente im Leben eines sechsfachen Olympioniken

19. Jänner 2012

Es gibt selten nur einen besonderen Moment im Leben eines Athleten. Davon kann auch der sechsfache Olympionik Marco Buechel (LIE) ein Lied singen.

Auf dem Podest zu stehen ist schön. Medaillen sind erfüllend. Aber das ist noch nicht alles.

Für den früheren Skifahrer, der Athlete Role Model bei den Innsbruck 2012 Olympischen Jugend-Winterspielen ist, gehen besondere Momente oft über den Sport hinaus.

Nur durch eine Fensterscheibe in einem Restaurant von der Skipiste der Olympischen Jugendspiele getrennt, sprach Büchel am Mittwoch auf der Spitze des Patscherkofels über einen unvergesslichen Teil seiner Karriere als Sportler.

Er sprach nämlich über seinen Vater.

„Es gibt einen besonderen Moment, der für mich über allen anderen steht: es war im Sommer 2006“, begann Buechel. „Ich sagte zu meinem Vater ‚Hör‘ mal, das Weltcuprennen in Lake Louise findet am Tag deines 60. Geburtstags statt. Wie wär‘s wenn ich versuche, dieses Rennen als Geschenk für deinen 60. Geburtstag zu gewinnen?‘“

„Seine Antwort war ‚Das wäre das schönste Geschenk überhaupt‘.“

Ein zuversichtliches Versprechen. Immerhin wuchs Buechel hinter einer Skipiste in Balzers, einer Stadt in der Skination Liechtenstein, auf. Er wurde bereits im Alter von zwei Jahren auf Skier gestellt.

Aber das Skifahren war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. „Ich muss zugeben, dass ich als Kind kein guter Skifahrer war“, so Buechel. Sein Rezept, ein Skiweltmeister zu werden, acht Mal an Olympischen Spielen teilzunehmen und mehrere Male unter die Top acht zu kommen, basiert einzig und allein auf harter Arbeit.

In den Jahren 1992 und 1994 nahm er zum ersten und zweiten Mal an den Olympischen Spielen teil, aber in beiden Fällen blieb er hinter dem Mittelfeld zurück. Im Alter von 23 Jahren wurde er vor die Entscheidung gestellt, mit dem Sport weiterzumachen oder einen traditionellen Karriereweg einzuschlagen.

„Eine nette Rede meines Vaters hat mir geholfen. Er meinte ‚Ja, mein Sohn, es macht Spaß. Und du hattest deinen Spaß. Jetzt ist es an der Zeit, dass du damit aufhörst und arbeiten gehst“, so Buechel. „Ich sagte ‚Gib mir noch zwei Jahre und ich beweise dir, dass ich ein super Skifahrer sein kann.‘“

„Er war nie ein Sportfanat. Er hat es nie gesehen“, sagte Buechel über seinen Vater während der ersten Jahre seiner Karriere als Profiskifahrer. „Meine Mutter hat es damals erkannt. Sie hat mich immer ermuntert. Sie hat es immer gewusst und wollte, dass ich ein Spitzenläufer werde.“

Wie versprochen war er zwei Jahre später zu einem erstklassigen Skirennfahrer geworden.

Als Buechel 26 Jahre alt war, kam sein Vater zu einem Weltcup-Rennen, um seinem Sohn zuzusehen, was er noch nie vorher gemacht hatte. Buechel kam als Fünfter ins Ziel. Er erinnert sich daran, seinen Vater noch nie so stolz gesehen zu haben.

„Er war sprachlos und seine Augen waren mit Tränen gefüllt.“

Als die Dinge für Buechel ins Rollen kamen und als er langsam zeigte, dass er einer ernsthaften Karriere als Sportler nachgehen konnte, entwickelte sich eine Bindung und ein gegenseitiges Verständnis zwischen den beiden.

Der nun 40-jährige Buechel kann auf eine 20-jährige Karriere voller Mühsal, aber auch voller wichtiger Lektionen, die er durch seinen geliebten Sport gelernt hat, zurückblicken. Manche seiner Siege waren herzerwärmend. Manche seiner Niederlagen waren herzzerreißend.

Buechel ist ein Spezialfall. Während viele professionelle Athleten eine ganze Reihe physischer Rückschläge erleiden, war er nur drei Mal in seiner Karriere wirklich verletzt.

Eine Verletzung erlitt er zwei Wochen vor seinem Weltcupsieg im Jahr 2006, den er seinem Vater zum Geburtstag versprochen hatte. Er brach sich dabei eine Rippe und durfte zehn Tage lang nicht skifahren. Dennoch trat er beim Rennen an. Beim Trainingslauf war er nur unter den besten 30.

„Am Tag des Rennens habe ich mich zusammengerissen und bin mit dem Gedanken über die Ziellinie gefahren ‚Das war jetzt nicht so schlecht, aber auch nicht so gut‘“, so Buechel. „Aber ich habe gewonnen.“

„Und nachher habe ich [meinen Vater] angerufen und gesagt ‚Alles Gute zum Geburtstag, ich hoffe du bist mit deinem Geschenk zufrieden.‘“

Wie versprochen.

„Das war so ein Moment.“

Marco Buechel of Liechtenstein talks about his life as an athlete

Der Liechtensteiner Marco Buechel spricht über sein Leben als Sportler.