1. Olympische
Jugend-Winterspiele 13.-22. Jänner

Eine überraschende Wendung - die Geschichte des österreichischen Last-Minute-Olympioniken

Seine Freunde waren 136 km entfernt und er selbst zutiefst betrübt. Doch das Schicksal war ihm hold. Daniel Jakubitzka (AUT) wollte sich nach dem Frühstück wie gewöhnlich auf den Weg in die Schule machen, als ihn seine Mutter anrief und ihm sagte „Geh nicht zur Schule, du fährst zu den Olympischen Spielen.“

Das Eishockeyteam Österreichs brauchte ihn als Spieler, nachdem sich einer seiner Kollegen verletzt hatte. Obendrein passierte all das am 12. Jänner, dem Tag vor der Eröffnungsfeier der Innsbruck 2012 Olympischen Jugend-Winterspiele und dem ersten Spiel der Mannschaft.

„Es war so cool. Ich dachte es wäre ein Scherz“, so der 15-Jährige. „Und jetzt bin ich da. Das bedeutet mir unglaublich viel.“

Jakubitzka, der die Schule in Salzburg besucht, ist seit fünf Jahren in der Jugend-Nationalmannschaft. Sehr zu seiner Enttäuschung stellten ihn die Trainer drei Wochen vor Beginn der Spiele nicht für das Innsbruck 2012 Team auf.

Auch ein E-Mail, in dem Stand, dass er Reservespieler sei, konnte ihn nicht trösten.

„Ich war traurig. Ich dachte ich würde in die Mannschaft kommen. Ich habe immer gut gespielt“, so Jubitzka. „Ich war erstaunt, aber was hätte ich tun können?“

„Meine Mutter meinte: So ist das Leben. Am Anfang war es echt schwer für mich, aber ich bin drüber weggekommen, weil das Leben weitergeht. Ich fragte mich, warum sie mich nicht genommen hatten, dann hab ich mir gedacht, wenn ich es schon nicht ändern kann, arbeite ich eben hart und zeige ihnen was ich kann“, so Jakubitzka.

Der Anruf am 12. Jänner änderte alles.

Jakubitzkas Schule stellte ihn frei, er packte flott und ein Freund der Familie holte ihn ab und brachte ihn zum Bahnhof.

„Die ganze Fahrt über war ich total glücklich. Ich hab nie darüber nachgedacht, warum sich der Trainer für mich entschieden hat. Ich hab alles um mich herum vergessen. Ich hatte nur die Olympischen Ringe im Kopf.“

Drei Stunden nach dem ursprünglichen Anruf war der gebürtige Innsbrucker Jakubitzka zurück in seiner Heimatstadt.

„Als ich zum ersten Mal hörte, dass die Olympischen Jugendspiele in Innsbruck stattfinden würden, dachte ich mir ‚Super‘ und hoffte, mit meiner Mannschaft dabei sein zu dürfen.“

Harald Pschernig (AUT), der Assistenztrainer der Mannschaft, gab preis, dass die Entscheidung Jakubitzka nicht in das ursprüngliche Team für Innsbruck 2012 aufzunehmen erst nach einer großen Debatte fiel.

„Es ist für jeden Spieler schwer, zurückgelassen zu werden. Aber wir wussten, dass wir ihn anrufen würden, sollte sich ein Spieler verletzen. Und genau das ist passiert“, sagt er.

Zweifelsohne kam Jakubitzka nicht nur nach Innsbruck, um das Team zahlenmäßig zu vervollständigen. Der Natur des Sports und dem Tribut, den das Eishockey von den Sportlern fordert, gemäß sind alle Spieler auf der Spielerliste in jedes Spiel involviert.

„Ich gebe immer mein Bestes und ich hoffe meine Mannschaftskollegen machen dasselbe, wenn sie das sehen“, beschrieb die Nummer 23 ihre Leistung für das Team.

Pschernig, der schon seit 18 Jahren Trainer ist, stimmte dem zu.

„Daniel hat eine positive Wirkung auf die Mannschaft“, sagt er. „Es ist einfach ihn zu trainieren und er hört auf den Mannschaftskapitän. Er ist offen für unsere Ideen und zeigt das auch auf dem Eis.“

Das österreichische Eishockeyteam der Männer schied nach Niederlagen gegen die Eishockey-Hochburgen Finnland, USA, Russland und Kanada aus dem Bewerb aus.

Der Stürmer Jakubitzka war in allen Spielen dabei und obwohl seine Mannschaft aus dem Bewerb schied, möchte er die Erfahrung doch zur Gänze auskosten.

„Wir bleiben hier, um uns die Spiele anzusehen. Die Teams sind nämlich sehr gut und wir können viel lernen“, sagte er.

Langfristig braucht Jakubitzka genau diese Einstellung. Es ist sein Traum Profispieler zu werden und in der Nordamerikanischen National Hockey League (NHL) zu spielen, die als die beste Liga der Welt angesehen wird.

Das Vorbild des Österreichers ist allerdings kein NHL-Star. Jakubitzka spricht in höchsten Tönen von einem Mann namens Oldrich Jindra (CZE), wenn man ihn nach seinem Mentor fragt.

Jindra ist ein Freund der Familie und ein in der Schweiz tätiger Eishockeytrainer.

„Er hat mir eine Menge über Eishockey beigebracht“, so Jakubitzka. „Während ich aufwuchs, war er immer für mich da und gab mir Ratschläge. Er ist sogar den weiten Weg hierher gekommen, um mich gegen Finnland spielen zu sehen.“

Dem bescheidenen Teenager war es wichtig, seiner Mutter für all ihre Unterstützung bei seinem Versuch, sich eine Karriere im Eishockeysport aufzubauen, zu danken. „Sie hat mir immer alles gegeben was ich brauche“, sagt er.

Nun ist seine Reise von Salzburg nach Innsbruck beendet und er ist nach der anfänglichen Enttäuschung dahin gekommen, wo er hinwollte.

Daniel Jakubitzka of Austria on the ice at the Winter Youth Olympic Games in Innsbruck IOC Young Reporter Photo by Diacounda Sene

Daniel Jubitzka aus Österreich auf dem Eis bei den Innsbruck 2012 Olympischen Jugend-Winterspielen.

Foto: IOC Young Reporter Diacounda Sene